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Inkunabel

Eine Inkunabel, bzw. ein Wiegendruck ist ein Druckwerk aus der Frühzeit des Buchdrucks (1450-1500), das durch Verwendung von beweglichen metallenen Einzellettern (Mobilletterndruck) erstellt wurde – eine Technik, die 1445 durch Johannes Gutenberg erfunden wurde. Der Begriff "Inkunabel" leitet sich vom Lateinischen "incunabula" ab, was mit "Wiege", bzw. von "cunae", was mit "Windel" übersetzt werden kann. Die Bezeichnung verweist somit darauf, dass der Buchdruck zu dieser Zeit noch "in den Windeln", oder "in der Wiege" lag. Der Begriff "Inkunabel" selbst konnte erst in Schriften der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachgewiesen werden; als Fachterminus wurde er ab Beginn des 19. Jahrhunderts von Sammlern und Forscher verwendet. Der Ausdruck "Wiegendrucke" entstand durch die Lehnübersetzung des Begriffs und wurde ungefähr ab 1885 gebraucht.
Viele Inkunabeln, besonders gehäuft jene ab 1470, enthalten durch Holzschnitt erstellte Illustrationen und wurden in Auflagen zu jeweils einigen Hundert Exemplaren gedruckt. Man schätzt, dass etwa 27 000 – 30 000 Wiegendrucke (Bücher, Broschüren oder auch Einblattdrucke) existierten, von denen ca. 500 000 bis heute erhalten sind.
Die Mehrzahl der bekannten Inkunabeln wurden in Deutschland, Italien und Frankreich hergestellt. Ab 1457 gab ein am Ende des Buches eingefügtes "Kolophon" über Autor, Ort, Zeit und Drucker des Werkes Auskunft, Titelblätter gab es ab 1465. Wiegedrucke weisen charakteristische drucktechnische und typografische Eigenheiten auf, an denen die "Handschrift" des jeweiligen Druckers erkennbar ist. Diese Eigenschaft geht mit den Jahren und der fortwährenden Weiterentwicklung der Drucktechnik immer mehr verloren. Druckwerke, die nach 1500 entstanden, werden als "Frühdrucke" oder "Postinkunabeln" bezeichnet.
Die bekannteste und erste vollständige Inkunabel ist die zwischen 1452 – 1454/56 gedruckte Gutenberg-Bibel. Von den ursprünglichen 180 Exemplaren sind heute 40 erhalten. Des Weiteren zählt die von dem Bamberger Drucker Albrecht Pfister gefertigte "Biblia pauperum" (1460-61), die mit 136 Holzschnitten bebildert ist, zu den ältesten Wiegedrucken. Als wichtige Werke sind zudem Anton Kobergers Bibel von 1493 und die Schedelsche Weltchronik aus demselben Jahr zu nennen.
Berühmte Drucker waren Günter Zainer (gest. 1478) in Augsburg und Johannes Mentelin (um 1410-1478) in Straßburg. Der erste überlieferte gedruckte Katalog einer Sammlung von Inkunabeln wurde von Johannes Saubert dem Älteren (1592-1646) für die Nürnberger Stadtbibliothek unter dem Titel "Historiae bibliothecae reipublicae Noribergensis ( ...) catalogus librorum proximis ab inventione annis usque ad a. Chr. 1500 editorum." verfasst.
Heute bezeichnet man auch frühe Erzeugnisse der Druckgrafik und der Fotografik als Inkunabeln.


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